Warum diese Initiative – eine Herleitung

Seit der Gründung der Zürcher Filmstiftung (ZFS) im Jahr 2004 erlebt das kantonale Zürcher Filmschaffen einen regelrechten Boom. Die Professionalisierung der Filmschaffenden war bei der Gründung der Filmstiftung explizit erwünscht, da sie die Qualität der Filme insgesamt erhöht und die Abwanderung von qualifizierten Talenten verhindert. Mit der Herstellung von 163 Spiel-, 147 Dokumentar- und über 80 Kurz- und Animationsfilmen bis 2014 sowie unzähligen Auszeichnungen an internationalen Festivals ist die Frage nach der Existenzberechtigung der ZFS mehr als beantwortet.

Auf diesem Erfolg darf man sich nun aber nicht ausruhen, denn die Entwicklung des Mediums geht weiter. Grenzen, die früher klar gezogen werden konnten, haben sich aufgelöst. Bekannte Formate und Berufsbilder wandeln sich und lassen neue Innovationen zu. Resultat ist eine so vielfältige wie pulsierende Film- und Medienlandschaft. Die Zürcher Hochschule der Künste, ZHdK, als eine der grössten Kunsthochschulen Europas, steht exemplarisch für diese Entwicklung, die in ganz Europa stattfindet.

Aber auch die äusseren Rahmenbedingungen ändern sich stetig, insbesondere im Zuge der Digitalisierung und der Konvergenz der Medienformate. Der stehende Begriff «Kultur» kann für die Audiovisionsbranche nicht mehr eins zu eins angewendet werden. So vielfältig die Erzähl- und Erscheinungsformen heute sind, so komplex sind die Produktionsstrukturen unter meist erschwerten Bedingungen. Internationale Beteiligungen an einheimischen Kulturgütern sind zunehmend Realität, und was als Chance genutzt werden kann, erhöht gleichzeitig das Risiko des Verlusts an künstlerischer und an produktioneller Unabhängigkeit. 

Mit der Erhöhung des nationalen Kulturetats (Kulturbotschaft) von rund 1.3 Mrd. Franken für die Jahre 2016 bis 2020 haben National- und Ständerat unerwartet Rückgrat bewiesen. Auch im Kanton Zürich hat ein zukunftsweisendes Ereignis in der Kulturfinanzierung stattgefunden – leider kein sehr positives. Im Juli 2015 hat der Kantonsrat entschieden, aus dem Lotteriefonds 5,5 Mio. Franken pro Jahr für Kulturausgaben zu sprechen, der Film und die Filmstiftung sind direkte Profiteure dieser Entscheidung. Die Zürcher Filmstiftung erhält für vier Jahre 3 Mio. Franken zur Deckung struktureller Defizite und zur Aufrechterhaltung der vorgesehenen Förderaufgaben.

Stossend dabei ist, dass dem ordentlichen Kulturbudget des Kantons Zürich 9 Mio. Franken entzogen werden, vorerst begrenzt auf vier Jahre und zulasten anderer Kultursparten. Ob diese eingesparten Mittel der Kulturförderung in der nächsten Budgetdebatte wieder gutgeschrieben werden, bleibt abzuwarten. Kulturförderung jedoch ist Staatsaufgabe, und derartige Angriffe auf das ordentliche Kulturbudget gilt es künftig zu verhindern.

Volksinitiative für ein «Film- und Medienförderungsgesetz»

Die Rechtssicherheit der audiovisuellen Branche mit ihren 17 000 Beschäftigten in rund 2600 KMU ist denn auch eines der Hauptanliegen der Initiative. In einer Welt, in der das bewegte Bild und die Interaktion audiovisueller Künste zunehmend an Wichtigkeit gewinnen, müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die den Anforderungen gerecht werden.

Das «Film- und Medienförderungsgesetz» und eine zeitgemäss ausgestattete «Film- und Medienstiftung» (ZFM) können die Bedürfnisse der audiovisuellen Kulturbranche bündeln und Förderaufgaben fokussiert wahrnehmen. Dabei muss neben der klassischen Filmförderung der Konvergenz und der digitalen Entwicklung massvoll Rechnung getragen werden. Die Kooperation zwischen dem Verein Zürich für den Film und der Swiss Game Developers Association (SGDA) zeigt auf, dass gemeinsam bessere Bedingungen erreicht werden möchten. 

Dass die Audiovision in ihrer gesamten kreativen und wirtschaftlichen Breite zu einer der wichtigsten Kunstsparten gereift ist, wird politisch oftmals verkannt, die Vision einer wachsenden Branche als Chance verpasst. Unter diesen Vorzeichen wäre eine mutige und vorwärtsgerichtete Film- und Medienförderungspolitik anzustreben.

Film- und interaktive Medienformate stehen für die kulturelle Agilität und die Prosperität des Standorts Zürich wie auch für die Schweizer Film- und Medienkultur insgesamt.

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